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  • Infantile Zerebralparese (CP, ICP) | © Pohlig GmbH
    Krankheitsbild
    Infantile
    Zerebralparese (ICP)

Neurologische Erkrankung

Was genau ist infantile Zerebralparese?

Die infantile Zerebralparese (auch Cerebralparese, ICP, CP) beschreibt eine lebenslange frühkindliche Gehirnschädigung, die zu Störungen der Haltung, der Bewegung, der Koordi­nation und des Gleichgewichts führen kann. Auch die Kommunikations- und Lernfähigkeit, das Essen und Schlafen können durch diese neurologische Erkrankung beeinträchtigt werden. Das Ausmaß der Störungen ist dabei abhängig von der Lage und Größe der Hirnschädigung.

Der Begriff Zerebralparese setzt sich aus den beiden Wörtern "zerebral" (lat. cerebrum = "Gehirn") und "parese" (griech. für "Lähmung") zusammen. Synonym zum Begriff infantile Zerebralparese können auch die Bezeichnungen zerebrale Kinderlähmung, infantile Zerebral­lähmung, spasti­sche Lähmung oder Cerebral Palsy verwendet werden.

Frühe Anzeichen für eine CP-Erkrankung sind:

  • ein abnormaler Muskeltonus (Körperteile sind entweder sehr schlaff oder extrem steif),
  • Entwicklungsverzögerungen (das Kind entwickelt bestimmte Fähigkeiten wie Umdrehen, Krabbeln, Sitzen etc. langsamer als andere) sowie
  • eine auffällige Körperhaltung (das Kind nutzt z.B. eine Körperhälfte mehr als die andere und greift Gegenstände immer mit derselben Hand).

Solltest du diese Anzeichen bei deinem Baby beobachten oder dir Sorgen um die Entwicklung deines Kindes machen, wende dich bitte umgehend an einen Kinderarzt bzw. eine Kinderärztin. Eine relativ frühe Diagnose erhöht die Möglichkeiten zur Frühförderung.

Kind mit ICP trägt Fußorthesen | © Pohlig GmbH

Infantile Zerebralparese

Ursachen und Symptome

ICP ist normalerweise die Folge einer Kombination von Ereignissen, die entweder bereits im Mutterleib, oder aber während bzw. nach der Geburt auftreten. Bis zum zweiten Lebensjahr kann CP durch eine Schädigung des sich noch entwickelnden Gehirns verursacht werden.

Eine der häufigsten Ursachen für eine ICP-Erkrankung ist eine Frühgeburt - oder besser gesagt: eine Reihe von Ereignissen während der Schwangerschaft, die zur Frühgeburt führen. Weitere Risikofaktoren, die eine Cerebralparese hervorrufen können sind:

  • Sauerstoffmangel im Mutterleib oder während der Geburt
  • Infektion der Mutter in der Frühschwangerschaft
  • Mehrlingsgeburten (Zwillinge, Drillinge usw.)
  • Thrombophilie
  • geringes Geburtsgewicht
  • schwere Gelbsucht kurz nach der Geburt

Symptome einer infantilen Zerebralparese (ICP) treten in der Regel bereits im frühen Säuglingsalter auf. Je nach Schweregrad der Hirnschädigung ist die Ausprägung der Störungen bei jedem ICP-Patienten individuell.

Die Muskulatur in Armen und/oder Beinen kann in unterschiedlicher Form betroffen sein (spastische Muskelversteifungen). Während viele Kinder nur leichte Symptome aufweisen, wie zum Beispiel eine schwache Hand, die Schwierigkeiten beim Greifen und Schreiben hat, können in schwe­reren Fällen auch spastische Lähmungen auf­tre­ten. Stark betroffene Patienten sind teilweise nicht in der Lage, sich selbstständig zu bewegen und müssen permanent betreut werden. Die moto­rischen Schwierig­keiten gehen oft einher mit zusätzlichen Beeinträchtigungen der Sinnesorgane und damit zusammen­hängend mit Kommunikation, Auffas­sung und Verhalten.

Was kann ich tun?

Therapie bei infantiler Zerebralparese

Infantile Cerebralparese (ICP) ist leider nicht heilbar. Allerdings kann ein individuelles Behandlungskonzept, das optimal auf das Kind zugeschnitten ist, Funktionen und Fähigkeiten verbessen sowie mögliche Sekundärkomplikationen verhindern.

Die interdisziplinäre Teamarbeit spielt eine zentrale Rolle bei der Therapie von CP-Patienten. Nur wenn Ärzte, Orthopädie-Techniker, Therapeuten, Pa­tien­ten und Eltern gemeinsam an einem Strang ziehen, können optimale Behandlungsergebnisse erzielt werden.

Physio- und Ergotherapeuten führen mit den betroffenen Patienten regelmäßige Funktionstrainings durch. Dafür werden gemeinsam mit den Eltern funktionelle Ziele festgelegt, die einerseits herausfordern, gleichzeitig aber auch realistisch und erreichbar sind. Möchte das Kind z.B. Fahrrad fahren lernen, plant der Physio- oder Ergotherapeut entsprechende Bewegungen in das Funktionstraining mit ein. Die Trainingseinheiten erfolgen unter Anleitung der Therapeuten, können teilweise aber auch auch von den Eltern selbst durchgeführt werden. Dies setzt voraus, dass die Eltern durch die Therapeuten geschult werden, um das Funktionstraining zu Hause in den Alltag des Kindes integrieren zu können.

Weil eine Spastik Schmerzen verursachen und die Positionierung beim Stehen und Sitzen einschränken kann, spielt auch die Schmerzreduktion eine wesentliche Rolle bei der Therapie einer infantilen Cerebralparese. Zur Behandlung der Muskelspastik werden unterschiedliche Methoden angewendet. Das Medikament Botulinumtoxin (Botox) zum Beispiel soll eine vorübergehende Reduzierung des Muskeltonus bewirken, indem es in die Muskeln der betroffenen Gliedmaße injiziert wird. Bei manchen Patienten mit infantiler Zerebralparese können auch Operationen an den Muskeln oder Gelenken erforderlich sein.

Therapie bei infantiler Zerebralparese (ICP, CP) | © Pohlig GmbH
Symbol Arzt | © Pohlig GmbH
Kinderklinik Aschau

Die orthopädische Kinderklink in Aschau ist eine der renommiertesten Fachkliniken Mitteleuropas für Kinderorthopädie.

Physiotherapie | © Pohlig GmbH
Physiotherapie

Unsere Physiotherapeuten begleiten die individuelle Hilfsmittelversorgung unserer kleinen und großen Patienten.

Hilfsmittelversorgung bei ICP

Behandlung mit Orthesen und anderen Hilfsmitteln

Orthesen für Kinder mit ICP (infantiler Cerebralparese) | © Pohlig GmbH

Neben der ärztlichen und physiotherapeutischen Behandlung können orthopädietechnische Hilfsmittel für Kinder und Erwachsene mit infantiler Zerebralparese eine wichtige Unterstützung im Alltag bedeuten.

Orthesen schützen und korrigieren den Bewegungsapparat. Außerdem fungieren sie als Stützpfeiler, die das Ergebnis halten, das durch eine operative oder konservative Behandlung erzielt wurde. Dadurch fördern sie Mobilität und Unabhängigkeit und somit auch die Teilhabe am täglichen Leben. Weitere Ziele einer Orthesenversorgung bei ICP-Patienten sind:

  • Verbesserung eingeschränkter Funktionen
  • Korrektur von Fehlstellungen
  • Muskeltounus-Regulierung
  • Schutz gefährdeter Regionen
  • Prophylaxe drohender Deformitäten
  • kosmetische Verbesserungen

Der Bedarf an orthopädietechnischen Hilfsmitteln bzw. Orthesen bleibt nicht ein Leben lang gleich. Abhängig vom Alter, der Umgebung sowie den individuellen Anforderungen und funktionellen Fähigkeiten kann die Orthesenversorgung eines ICP-Patienten im Laufe seines Lebens variieren. Weil jedes Kind unterschiedlich ist, erstellen wir ein individuelles Behandlungskonzept, das exakt auf die jeweiligen Bedürfnisse zuge­schnit­ten ist.

 

Die Tatsache, dass es sich bei infantiler Zerebralparese zwar um eine dauerhafte, jedoch keineswegs unveränderliche Schädigung handelt, da sich die Haltungs- und Bewegungs­störungen mit dem Wachs­tum und der Entwicklung verändern, macht eine langfristige Betreuung notwendig.

In der Regel versorgen wir betroffene Kinder und Erwachsene mit einer oder mehreren der folgenden Orthesen:

Unsere Reha-Technik bietet zudem eine Vielzahl an Hilfsmitteln zur Steigerung der Mobilität und Aktivität von CP-Patienten an:

  • Gehilfen (Krücken, Stöcke, Rollatoren etc.)
  • Stehhilfen
  • Lagerungssysteme (Hilfsmittel zur Positionierung im Liegen)
  • Rollstühle
  • Anpassung der Umgebung (z.B. Haltegriffe, Rampen, automatische Türöffner)
  • speziell angepasste Hilfsmittel für die Freizeitgestaltung (z.B. Fahrräder)
  • u.v.m.

Rundum versorgt!

Orthesen für ICP-Patienten

Finger-, Hand- und Armfehlstellungen können bei ICP-Patienten einzeln oder in Kombi­nation auftreten. Die meisten Kinder weisen außerdem  Fuß­fehl­stel­lun­gen auf. Der spas­tische Spitzfuß ist eine der häufigsten Deformitäten, bei der eine Behandlung mit Orthesen ratsam ist. Aber auch Klumpfüße, eine Knie­beuge­spastik und eine Hüft­addukto­ren­spastik lassen sich sehr gut mit Orthesen versorgen.

Unsere Hilfsmittel sind einzelne Bausteine des medizinischen und thera­peuti­schen Behand­­lungs­­konzepts. In Kombination mit Physio­thea­pie und Reha-Hilfsmitteln können verblüf­fende Ergebnisse für ICP-Patienten erzielt werden.

Unterschenkel-Fuß-Orthese aus dem 3D-Drucker | © Pohlig GmbH
Studie: Spitzfuß-Behandlung

Der dynamische Spitzfuß ist eine der häufigsten motorischen Beeinträchtigungen bei Kindern, die unter infantiler Zerebralparese leiden.

Icon SimBrace Scan | © Pohlig GmbH
Seminare für Therapeuten & Ärzte

Interdisziplinärer Austausch, hochkarätige Referenten, praktische Demonstationen.

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Anzug gegen Spastiken 

Der Exopulse Mollii Suit aktiviert Muskeln

Der Mollii Suit wurde für Patient:innen entwickelt, die an spastischen Lähmungen (also einer erhöhten Eigenspannung der Muskulatur) und anderen neurologischen Bewegungsstörungen leiden.

Indem er spastische, verkrampfte oder schmerzhafte Muskeln mit sanften elektrischen Impulsen löst, kann der Anzug Schmerzen reduzieren und wichtige Muskeln neu aktivieren. Viele Betroffene zeigen dank des Mollii Suits ein flüssigeres Gangbild. Sie haben weniger Schmerzen und können ihren Alltag aktiver gestalten.

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Jetzt bei uns kostenfrei testen!

Neue Kopfstützensteuerung für Kinder mit schwerer Zerebralparese

Ab sofort kannst du die neue Kopfstützensteuerung von CoMoveIT in  unserer Reha-Technik in der Grabenstätter Straße 8 in Traunstein kostenfrei testen - das einzigartige Kopf-Fuß-Lenksystem für deinen elektrischen Rollstuhl, das sich automatisch an dich anpasst!

Das neue System sorgt für größtmögliche unabhängige Mobilität für Menschen mit komplexen Bewegungsstörungen.

Kind lenkt elektrischen Rollstuhl mit dem Kopf | © Pohlig GmbH

Schweregrad der motorischen Fähigkeiten

GMFCS-Klassifizierung

Die infantile Zerebralparese ist von Kind zu Kind unterschiedlich stark ausgeprägt. In der Regel wird der Schweregrad der grobmotorischen Fähigkeiten mithilfe des GMFCS (Gross Motor Function Classification System) klassifiziert.

Das GMFCS beschreibt die motorische Leistungsfähigkeit des ICP-Patienten in 5 Stufen (Level). Beurteilt werden Sitz, Transfer und Fortbewegung je nach Alter:

  • vor dem 2. Geburtstag
  • zwischen dem 2. und 4. Geburtstag
  • zwischen dem 4. und 6. Geburtstag
  • zwischen dem 6. und 12. Geburtstag
  • zwischen dem 12. und 18. Geburtstag

Innerhalb jeder Altersgruppe existieren 5 GMFCS-Stufen. Anhand der jeweiligen Stufe, in die das Kind eingeordnet wird, können z. B. die Therapieziele, der Umfang der Hilfsmittelversorgung und die Fähigkeiten des Kindes im Alltag erfasst werden.

Kalte und blaue Extremitäten bei ICP-Patienten

Warum bekommt mein Kind "kalte Füße"?

Die infantile Zerebralparese (ICP) betrifft mehrere Funktions­­systeme. Störungen der Motorik, Wahrnehmung, Sprache und Anfallsbereitschaft sind allgemein bekannt. Fehlsteuerungen des vegetativen Nervensystems, das lebenswichtige Funktionen wie Herzschlag, Atmung oder Stoffwechsel steuert und kontrolliert, finden in der Therapie allerdings weniger Beachtung. Lebensqualität und Wohlbefinden der Betroffenen werden jedoch von den Auswirkungen solcher Fehlsteuerungen stark beeinflusst. Diese äußern sich in Rhythmusstörungen des Schlafes und der Atmung, vermehrtem Schwitzen und Speichelfluss, sowie verminderter Hautdurchblutung und Temperaturregulation.

Beobachtet man bei ICP-Patienten also kalte oder blaue Füße, dann liegen die Gründe dafür oft nicht in unpassendem Schuhwerk, sondern haben ganz andere Ursachen:

  • veränderte Motorik, erhöhte muskuläre Spannung
  • Immobilität
  • Körpertemperatur-Regulationsstörung, Zirkulationsstörung
  • Störung der Hypothalamus-Hypophysen-Achse

 

Pohlig Lagerungssystem | © Pohlig GmbH

Lagerungssysteme

Bequem schlafen mit ICP

Insbesondere Zerebralparetiker der GMFCS-Klassen IV und V können oftmals ihre Liege­posi­tion nicht selbstständig verändern. So entstehen bei Patienten mit infantiler Zerebralparese positionelle (=lagebedingte) Deformitäten.

Individuelle Lagerungssysteme unterstützen die Liegepositionen des Betroffenen passiv. Sie halten zunehmende Deformitätsentwick­lungen an und ermöglichen eine oder mehre­re bequeme, tonus­regulierende Position(en). Zudem helfen sie Druckstellen zu vermeiden.

Fachartikel

Orthetik der unteren Extremitäten in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit infantiler Cerebralparese (ICP)

Autoren: T. Wetzelsperger, M. Schäfer
Quelle: Bewegung und Entwicklung, Heft 2021, 44. Jahrgang

Hintergrund aus Papier | © Pohlig GmbH