• Oberschenkelprothese

Pohlig Bionic Socket System / in der Oberschenkelprothetik

Das Pohlig Bionic Socket System bei einer Oberschenkelprothese

Das Pohlig Bionic Socket System (PBSS) stellt eine neuartige Prothesen­schafttechnologie dar die es dem Anwender mit Oberschenkelprothese ermöglicht, unterschiedliche Alltags­situationen aktiver, schmerzfreier und komfortabler wie mit bisherigen Schaft­systemen zu bewältigen.

Als direktes Bindeglied zwischen Mensch und Prothesentechnik nimmt das Schaftsystem „die“ zentrale Rolle in der Prothesenversorgung ein. Weil uns die herkömmlichen Schaftlösungen nicht zufriedenstellen konnten, setzten sich unsere Prothetik-Experten das Ziel, die gängige Versorgungstechnik zu optimieren und einen Schaft mit bisher unerreichter Präzision und Passform zu kreieren.
Mehrere Jahre tüftelten die Experten an der Entwicklung dieses Prothesenschaft­systems, welches sich in vielen Situationen deutlich besser an die menschliche Natur adaptiert. Im Fokus der Entwicklung stand, dass die Maßnahmen so wenig wie möglich die anatomische Form und Funktion des menschlichen Körpers verändern. „Bionic“ ist eine Wort­schöpfung aus „Biologie“ und „Technik“.

Oberschenkelprothese Schaft PBSS

Die Wortkombination skizziert die technische Umsetzung einer modernen Versorgungstechnologie mit dem Ziel, die biologischen Muster an die Anforderungen amputierter Gliedmaßen zu integrieren. Das PBSS-Schaftsystem ist ein interdiszi­plinäres Versorgungskonzept unter Einbindung eines Facharztes für Ortho­pädie und bei speziellen Fragestellungen auch von Ärzten aus anderen Fachrichtun­gen, um Anwender mit Oberschenkel­prothese bestmöglich zu versorgen.

Vom Scan zum individuellen Schaft

Add-ons (zusätzliche Funktionssysteme)

PBSS-Air

Das Volumen des Oberschenkelstumpfes ist nicht immer konstant. Durch Erkrankungen, Gewichtsabnahme oder bei sportlicher Aktivität kann sich eine Inkongruenz zwischen Stumpf- und Schaftaufnahmevolumen ergeben – mit der Folge, dass sich die Führungseigenschaften deutlich verschlechtern. Das PBSS-Air ermöglicht dem Prothesenträger die Anpassung des Prothesenschaftes an die aktuelle Dimension des Stumpfes. Für das PBSS-Konzept konnte die ACS-Technologie zur PBSS-Air-Systemkomponente weiter­entwickelt werden. Neu ist, dass die Luftkammern hier direkt in den HTV-Silikon-Kontaktschaft integriert werden und durch formkonturierte Anlageflächen bestmöglich an die Stumpfform adaptieren.

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PBSS-Pohlitherm

Das Pohlitherm-Element sorgt bio­sensorisch für ein klimatisch komfortables Temperatur-Niveau, sodass sich der Stumpf – unabhängig von der Außentemperatur – im Prothesenschaft wohlfühlen kann. Gerade bei kältesensiblen Amputations­stümpfen konnte sich die gezielte Beeinflussung der Stumpfthermik positiv darstellen. Die Auswirkung dieses Pohlithermelementes wird zunächst im Probeschaft evaluiert und nur bei positivem Outcome für den Anwender im definitiven PBSS-Schaft umgesetzt.

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PBSS-Akupressur

PBSS-Akupressur ist eine Möglichkeit der Schmerzbehandlung. Akupressur ist ein Heilverfahren, das insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) angewendet wird. Sie kann über die definierten Wirkungsorte mittels PBSS-Akupressur-Spots ergänzend stimuliert werden. Die im PBSS-Schaft implemen­tierten Akupressoren werden entlang von sogenannten Meridianen positioniert. Sie können vom Anwender in den ärztlich festgelegten Intervallen manuell aktiviert werden und bieten so eine alternative Behandlung von Schmerzen ohne die Zu­gabe von Medikamenten >>mehr erfahren

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PBSS-Portsystem

Stumpf- und Phantomschmerzen treten bei amputierten Menschen leider gehäuft auf. Das PBSS-Portystem eröffnet den Ärzten neue Behandlungsoptionen mit dem Ziel, Medikamente nicht mehr systemisch, sondern lokal wirkend einzusetzen. So kann beispielsweise eine verordnete Schmerz­therapie medikamentös via implemen­tierter Service-Ports lokal an dem betroffenen Schmerzareal behandelt werden, ohne dass die Prothese hierzu ausgezogen werden muss. Die lokale Schmerzbehandlung stellt sich in vielen Fällen nicht nur deutlich wirksamer dar, sondern führt nicht selten zu einer Reduktion der Medikation.

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PBSS-Schäfte

Die Vorteile des PBSS bei einer Oberschenkelprothese

Das neu entwickelte Prothesenschaftsystem bietet dem Anwender zahlreiche Vorteile:

Erhöhter Schaftkomfort

Die Muskulatur erhält an relevanten Stellen erstmals Stabilisatoren, die eine verbesserte Führung der Prothese bewirken. Außerdem sorgen die intramuskulären Stabilisatoren für mehr Kontrolle und Sicherheit in der Dynamik. Parallel zu den Stabilisatoren werden Expansionsräume für die muskuläre Entfaltung berücksichtigt, mit der Folge, dass der Prothesenschaft eine legere und angenehme Passform erhält.

Diese Konstruktionsprinzipien ermöglichen nicht nur ein erleichtertes An- und Ausziehen des Prothesenschaftes, sondern auch die variable Einstellung des Schaftvolumens im Zuge einer Volumenveränderung. Dabei wird u.a. auch die dynamische Formveränderung des Stumpfes berücksichtigt.

Schmerzreduktion

Nach einer Studie, die in Zusammenarbeit mit der POHLIG GmbH durchgeführt wurde, konnten in einigen Versorgungsfällen vorhandene Schmerzen mit einem PBSS-Prothesenschaft signifikant reduziert werden. Auch Phantomschmerzen konnten in vielen Fällen positiv beeinflusst werden >> zur Studie.

Individuelle Schaftgestaltung

Die PBSS Prothesenschäfte lassen sich durch verschiedene Funktions­einheiten ergänzen. In Abhängigkeit zu den individuellen Gegebenheiten und Anforderungen des Anwenders können verschiedene technologische Add-ons zum Einsatz kommen und den Tragekomfort im Lebensalltag positiv beeinflussen (siehe Punkt 3).

Verbesserte Haftung

Die bestmögliche Verbindung zwischen Stumpf und Prothesenschaft wird durch einen HTV-Silikon-Kontaktschaft erzielt, der in Abhängigkeit von den Stumpfverhältnissen in verschiedenen Härtegraden und mit unterschied­lichem Adhäsionsverhalten gefertigt werden kann.

Schaftdesign

Insbesondere von Prothesenträgerinnen wird die unauffällige gesäßfreie und körpernahe Formgestaltung des Schaftrandverlaufs sehr geschätzt. Der individuellen Farbgestaltung sind nahezu keine Grenzen gesetzt.

Interdisziplinarität

Mit seinem interdisziplinären Anspruch sieht das PBSS-Konzept vor, neben dem Anwender auch die behandelnden Ärzte sowie die Therapeuten aktiv in die prothetische Versorgung einzubinden. Dies eröffnet neue Perspektiven in der Beinprothesenversorgung.

Oberschenkelprothese Schaft PBSS

Fachveröffentlichung: Das Pohlig-Bionic-Socket-System

facherveröffentlichung pbssDas Pohlig-Bionic-Socket-System: Neue Perspektiven bei der Prothesenversorgung nach Oberschenkelamputation
Autoren: M. Schäfer, K. Pohlig
Quelle: ORTHOPÄDIE-TECHNIK 05/14, Verlag Orthopädie-Technik, Dortmund
Schlüsselwörter: bionisches Schaftsystem, Oberschenkelprothese, HTV-Silikonschaft, 3-D-Scan, PBSS-Stumpfstabilisatoren, PBSS-Air, Port-System, Akupressur-Spots, Pohlitherm-Element

Das Pohlig-Bionic-Socket-System (PBSS) ist eine konzeptionelle Neuentwicklung im Bereich der prothetischen Schafttechnologie. Dabei wurden herkömmliche Wege der Schaftformfindung hinterfragt, anwenderspezifische Bedürfnisse eruiert und eine weiterführende Methodik der Schaftgestaltung entwickelt. Ausgehend von der These, dass der Prothesenschaft als direktes Bindeglied zwischen dem Anwender und der Prothese das wichtigste Bauteil einer Prothese darstellt, wurden in einem Team erfahrener Prothetiker mit dem PBSS neue Ansätze zur Ermittlung des Schaftdesigns sowie zur individuellen Schaftgestaltung definiert. Während manche Überlegungen sich noch in der konzeptionellen Phase befinden, konnten die ersten Ansätze wesentlicher Neuerungen im Versorgungsbereich der Oberschenkelprothetik bereits an ca. 80 durchgeführten Prothesenversorgungen erprobt werden.

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Fachveröffentlichung: Erste klinische Erfahrung mit einem neuartigen System

facherveröffentlichung pbssPohlig Bionic Socket System (PBSS) – erste klinische Erfahrung mit einem neuartigen System
Autoren: S. Domayer, M. Schmidt, N. Kommer, S. Geisler, K. Schüller, M. Schäfer, K. Pohlig
Quelle: ORTHOPÄDIE-TECHNIK 11/14, Verlag Orthopädie-Technik, Dortmund
Schlüsselwörter: bionisches Schaftsystem, Schaft, Oberschenkelamputation, Anpassung, klinische Prüfung nach Prothesen­versorgung

Die optimale Anpassung des Schaftes bleibt besonders nach einer Oberschenkelamputation für Techniker wie für Ärzte eine Herausforderung. Das Pohlig Bionic Socket System (PBSS) zielt mit einem völlig neuen, technisch sehr umfangreichen Anfertigungskonzept darauf ab, die Anpassung bestmöglich und objektiv reproduzierbar zu machen. Neben objektiven Kriterien bleibt aber das Befinden des Patienten selbst das wichtigste Kriterium zur Beurteilung des Erfolges. Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, die ersten Fälle, welche mit PBSS versorgt wurden, klinisch zu untersuchen, um erste Daten zur Effizienz der neuen Technologien zu erhalten.

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Erstvorstellung des Pohlig-Bionic-Socket-Systems

Anwenderfeedback

Die erfrischend positive Resonanz der mit PBSS versorgten Patienten bestärkt uns, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. In einer ersten Studie, für die 22 mit PBSS versorgte Prothesenträger klinisch untersucht wurden, konnte belegt werden, dass alle untersuchten Anwender von der Versorgung mit PBSS profitierten. Patienten mit hohem Schmerzniveau hatten sogar einen höheren Benefit durch diese neue Versorgungstechnologie.

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