BIV im Gespräch – 5 Fragen an Michael Schäfer

Quelle: Schulz Sylvia: Hart am Wind für die Orthopädie-Technik, in ORTHOPÄDIE-TECHNIK (2013), Ausgabe 9/13, S. 8-9

In unserer neuen Interview-Reihe stellen wir in den nächsten Ausgaben die Menschen vor, die sich in und für den BIV-OT engagieren. Den Auftakt bildet Michael Schäfer, der zuletzt in den Vorstand des BIV gewählt wurde. Schäfer hat als Geschäftsführer der Pohlig GmbH einen fordernden Job. Beachtlich ist die Liste der Mitgliedschaften und Ehrenämter, die er in Verbänden und Organisationen der Orthopädie-Technik übernommen hat.

OT: Warum „halsen“ Sie sich noch zusätzliche Ehrenämter auf?

Schäfer: Das ist eine Frage, die ich mir zwischenzeitlich bei jeder Anfrage nach einem Ehrenamt intensiv stelle und deren Entscheidung, nämlich „für oder wider“, ich zwischenzeitlich sehr genau abwäge.
Man muss bei den permanent steigenden Anforderungen des beruflichen Umfeldes höllisch aufpassen, dass Ehrenämter nur streng selektiert angenommen werden. Ich bin überhaupt kein Freund von Ämterhäufungen, da diese meist nicht zielgerichtet sind. Ehrenämter müssen zum einen in den Kompetenzbereich fallen und zum anderen auch zeittechnisch zu leisten sein.
Die Motivation zur Erfüllung eines Ehrenamtes korreliert aus meiner Sicht mit dem Berufsethos des Einzelnen. Wenn man ändern und gestalten will, muss man auch etwas da- für tun. Über unbefriedigende Zustände nur zu schimpfen ist nicht effektiv und bringt folglich nichts. Zudem bin ich der Ansicht, dass wir alle eine gewisse Verpflichtung haben, uns für die berufliche Gemeinschaft einzusetzen. Wenn keiner mehr bereit ist, auch mal seine Freizeit in den Dienst der Kollegenschaft zu stellen, dann wäre es schlecht bestellt um uns und um die Standesvertretung.

OT: Wo bleibt der Nachwuchs in den Organisationen der Orthopädie-Technik?

Schäfer: Die politischen Entwicklungen im Gesundheitswesen und deren Folgen fordern von den Führungskräften in unserem Fach ein zunehmend hohes Engagement, so dass deren Bereitschaft für ein begleitendes ehrenamtliches Engagement in den Organisationen der OT oftmals nur sehr dürftig ist. Ich halte diesen Trend für sehr gefährlich, denn gerade in der organisierten Verbundenheit liegen die Stärken unseres Faches.
Die Betriebe müssen erkennen, dass dieses Engagement wichtig und entscheidend für einen zukünftigen Fortbestand unseres Faches ist. Wenn ich im eigenen Unternehmen die vielen engagierten und hochmotivierten jungen Auszubildenden in den letzten Jahren beobachte, bin ich sehr zuversichtlich, dass diese neuen Generationen dieses Verständnis mitbringen werden. Es liegt jetzt an uns, die notwendigen Weichen für eine erfolgreiche Einbindung zu stellen.

OT: Was wünschen Sie sich von der Orthopädie-Technik der Zukunft?

Schäfer: Die Orthopädie-Technik muss auch in Zukunft, und das an allererster Stelle, die Erfüllung der Bedürfnisse der uns anvertrauten Mitmenschen zum Ziel haben. Innovationen und Weiterentwicklungen sind nur dann wertvoll und nutzbringend, wenn sie körperliche Defizite bestmöglich kompensieren und den Betroffenen eine unbeschwerte Teilhabe am täglichen Leben in der Gesellschaft ermöglichen.
Die technologischen Fortschritte in den vergangenen 15 Jahren waren immens und werden gerade fortgesetzt. Von unserem Fach erfordert das in Zukunft eine zunehmende Spezialisierung der Arbeitsschwerpunkte in der Aus- und Weiterbildung. Ein erster Schritt in diese Richtung wurde durch die Einführung des neuen Berufsbildes bereits unternommen.
Wir haben einen wunderbaren Beruf, der von unserer täglichen Arbeit an und mit unseren Mitmenschen, Einfühlungsvermögen, handwerkliches Geschick, Motivation und kontinuierliche Bereitschaft zur Fort- und Weiterbildung fordert. Gepaart mit den vielfältigen neuen Versorgungsmöglichkeiten und Technologien wird sich die Orthopädie-Technik aus meiner Sicht zunehmend zu einem unverzichtbaren und wertgeschätzten Dienstleister der Gesellschaft entwickeln.

OT: Was würden Sie tun, wenn Sie über die Zeit verfügen könnten, die Sie gerne hätten?

Schäfer: Die Beantwortung dieser Frage würde den Rahmen des Interviews sprengen.
So viel ist jedoch gewiss: Beruflich gesehen würde ich gerne noch mehr Zeit für die Arbeit an und mit unseren Patienten sowie noch mehr für die Weiterentwicklungen unserer orthopädietechnischen Möglichkeiten investieren. Es kommen derart viele spannende und neue Heraus-forderungen auf uns zu, dass ich mich mit mehr Zeit und mit meinen Kollegen voller Begeisterung auf die neuen Inhalte stürzen würde.
Gerne würde ich auch mehr Zeit in das Schreiben neuer Buchbeiträge und Fachartikel investieren.
Privat gesehen bleibt bei dem momentanen Pensum natürlich auch einiges auf der Strecke. Insofern würde ich hier natürlich auch gerne etwas mehr Zeit zur Verfügung haben.

OT: Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen außer der Zeitschrift Orthopädie-Technik?

Schäfer: Ein Segelboot und viel Wind, damit ich auch irgendwann wieder weg komme, um meiner Leidenschaft der Orthopädie-Technik auch weiterhin frönen zu können.

Zur Person Michael Schäfer

Michael Schäfer wurde am 24. März 1967 geboren. Der Orthopädie-Techniker-Meister ist seit 1994 bei der Pohlig GmbH beschäftigt. 2005 wurde er bei dem Traunsteiner Traditionsunternehmen zum Geschäftsführer berufen. Das Unternehmen beschäftigt 400 Mitarbeiter und ist für seinen Schwerpunkt Kinderorthopädie sowie seine Eigenentwicklungen in der Branche bekannt. Kürzlich ging die Pohlig GmbH eine Partnerschaft mit Ottobock ein.
Schäfer gehört seit Mai dem Vorstand des BIV-OT an und ist Mitglied des Wirtschaftsausschusses. Darüber hinaus ist er Vorstands-mitglied der Landesinnung für Orthopädie-Technik Bayern, der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik und der ISPO Deutschland. Weiterhin ist Schäfer Mitglied der Fortbildungsvereinigung für Orthopädie-Technik (FOT), der Vereinigung Technische Orthopädie (VTO) sowie der American Academy of orthotics and prosthetics. Als Mitglied des wissenschaftlichen Beirats dieser Zeitschrift trägt er zur Qualitätssicherung der Fachartikel bei.

 

Michael Schäfer